Man lernt viel

beim Unterrichten. Das ist ja nun recht neu für mich. Letzt hatte ich eine Anfängergruppe, die haben sich derart unbeholfen bewegt beim Qi Gong, dass ich mich als Anfänger habe stehen sehen vor ein paar Jahren. Genauso sah ich aus. Putzig. Und habe auch, trotz Erklärungen, die einfachsten Sachen nicht verstanden. Habe nach vorne zum Lehrer geguckt und nicht richtig sehen können, was der da macht, obwohl es ja eigentlich offensichtlich ist. Ist schon seltsam, dass man mit der Beobachtung und dem Gefühl für sich derart falsch liegen kann.

Am Schluss habe ich meine Lieblingsübung gemacht, der eine nimmt sich den Arm des zweiten und schüttelt ihn vorsichtig. Da habe ich dann zwei dieser unbeholfenen Mädels (waren meist um die 20 Jahre alt) gesehen, wie sie den Arm einfach so schlapp runterhängen lassen konnten und ihn derart entspannen konnten. Das fand ich sehr schön. Hätte ich nicht gedacht. Ist auch eine gute Übung für die, die schütteln, weil sie dann schon mal merken, wie es sich anfühlt, wenn der andere entspannt ist und wann angespannt.

Anders bei der anderen Gruppe, wo eine Frau um die Mitte 50 neu dabei ist, mit hochgezogenen Schultern, die sich ganz offensichtlich gegen den Druck ihres ganzen Lebens stemmen, den sie auf dem Buckel hat. Die konnte den rechten Arm (Rechtshänderin) überhaupt nicht entspannen. Gar nicht.

Interessant.

Aber das ist nicht alles, was ich lerne. Ich lerne auch, was ich alles noch nicht kann und nicht weiß. Ich lerne, was ich alles kann und weiß. Ich lerne, manche Sachen zu überdenken. Ich lerne, mir Partnerübungen auszudenken, ich lerne Methoden, wie man die Leute zum spüren bekommt, sich und den anderen spüren. Ich lerne Didaktik: die Stunde aufteilen, zu einem guten Abschluss kommen.

Was ich gut kann, was mein Lehrer immer als das Wichtigste bei Anfängern predigte: eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre herstellen, wo die Leute nicht abschweifen, nicht anfangen zu quatschen, sondern sich auf die Übungen zu konzentrieren und ruhig werden. Ruhig werden ist die erste Voraussetzung für's Loslassen, für's Entspannen.
Michael Andres (anonym) - 4. Apr, 17:40

Moin Herr Yang,

da hast du und dein Lehrer natürlich vollkommen recht. Ruhige Atmosphäre um selber zur Ruhe zu kommen.
Manchmal geht das aber nicht.
Zu viele Leute. Ein Hausfrauenklub. etc..

Auch bei uns ist immer ein wenig Gequassel dabei. Auch ich quassel ab und an dabei.
Mein Gequassel kommt dann aber eher so rüber:
--- Übung Schilfgras, der Partner ist angespannt oder findet nicht mehr zur Mitte ---
"Du stehst nach hinten/vorne", "Bitte nicht vorher wegdrehen", "versuche deine Fussmitte zu spüren und konzentrier dich nur darauf, dann kommt der Rest von alleine" und so weiter .... nunja, nicht weiter spannend, da ich auch flüstern kann ... ABER ... wir sind im Schnitt 15 Personen. Eine Halle macht genau das was sie soll ... nämlich hallen. Und wenn dann 6 Leute flüstern ist das mehr als nur ein Gemurmel sondern wird (auch aufgrund der Gegenfragen) schnell zu einer grossen Geräuschkulisse ... so etwas kann man nur dann in den Griff bekommen, wenn man strikt auf absolutes stillschweigen beharrt, aber selbst davon lässt sich der Hausfrauenclub sicherlich nicht beeindrucken.

Deine Lieblingsübung zählt übrigens auch für mich zu den Favoriten. Abgesehen davon das es sehr angenehm ist, fühlt man sich und den Partner dabei wirklich sehr intensiv. Dennoch fällt es mir, obgleich sehr kontaktfreudig, schwer von Jetzt auf Gleich mich einem "Fremden" anzuvertrauen.

Gruß
Michael .... achja ... ist es bei euch auch so, das viele ein Problem damit haben, wenn NEUE, die ALTEN im Trainingsfortschritt überholen?

Herr Yang - 4. Apr, 18:14

Wie, was?

Probleme, wenn Neue die Alten? Wen meinst du? Die Alten, die seit 6 Jahren dabei sind, und die Neuen, die seit 6 Monaten dabei sind? Das geht gar nicht, dafür hat man in 6 Jahren zu viel gelernt. Oder meinst du die, die sechs Monate Vorsprung vor anderen haben? Das ist dann eher ein allgemeines Problem der Konkurrenz. Da betonen wir immer, dass es beim Taiji und Qigong keine Leistungen gibt, weil jeder das macht, was er kann. Und das hängt nicht nur von der Trainingszeit ab, sondern auch von der Physiologie. Wo der eine eine verklemmte Hüfte hat, murkelt der andere mit den Knien herum undsoweiter. Kann man nicht ändern. Und daran üben dann alle jeweils.

Die "Beherrschung der Form" ist gar nicht so wichtig, das ist nur äußerlicher Kram. Irgendwann "kann" man sie halt. Wichtiger sind die inneren Prozesse. Loslassen. Weich und durchlässig werden. Und das dauert. Und wenn man meint, man könne sie, kommt der Lehrer und sagt: So, und jetzt fangen wir mit dem "richtigen" Taiji an. Schön, gell?

Zum Anfang deines Posts:
Die ruhige Atmosphäre, die wir herstellen, ist dafür da, dass die anderen zur Ruhe kommen. Die Lehrer sind schon ruhig, wenn es losgeht. Und später muss man als Lehrer vor allem darauf achten, dass die Leute üben. Die Übung wechseln, hilft manchmal. Den Partner wechseln, auch. Es gibt trotzdem immer wieder ein paar Quasseltanten (bei uns sind es auch zwei Männer), die auch beim Üben quasseln.
Michael Andres (anonym) - 5. Apr, 20:44

Nunja ich meinte die, die seit 2 Jahren dabei sind und von denen überholt werden die seit 6 Monaten dabei sind. Und wie ich lese gibt es dieses Konkurrenzdenken auch bei einigen anderen.
Verstehen tue ich es nicht, da es ja nuneinmal darum geht an sich zu arbeiten.
Ein böses Problem für eine Schule, für die es wohl aber keine Lösung gibt, ausser immer wieder darauf hinzuweisen das es um einen selbst geht und nicht um die anderen. Sparring mal ausgenommen.

Für mich ist klar das ich die inneren Prinzipien erlernen muß und mich mit der Form ausdrücke. Für andere scheint nur die 100% Kopie der Form, das Nonplusultra zu sein. Seltsam, aber es zeigt mir auch das die "anderen" sich nicht im geringsten ausserhalb der Trainingseinheiten mit dem Taiji auseinandersetzen. Wie man dann Spaß an einem Hobby haben kann, ist mir schleierhaft.

Was das Gequssel angeht, so wechseln auch wir in eine andere Übung, wenn es zu laut wird. Meistens hilft dann ein anderes verteilen "du nach vorne, du in die Mitte" und dann ohne weitere Vorwahnung in die Übung gehen ... dann ist auch bei uns in 2 Sekunden wieder Ruhe. Ich nehme das zwar bewusst wahr, aber einige beschweren sich denn doch das es jetzt viel zu schnell geht und quasseln dann den Nachbarn voll was denn hier gerade eigentlich gemacht wird, anstatt einfach nur zu machen.

Hmmm, manchmal habe ich arges Mitleid mit meiner Trainerin.

Alles Liebe,
Michael
Herr Yang - 6. Apr, 09:10

Wo hast du das

gelesen?

Dann hat die Schule ganz deutlich ein Problem. Oder es ist eine Schule, in der es nur um Kampf geht. Und nicht, wie ich Taiji verstehe, auch um Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis, (wenn's nicht zu hoch gegriffen wäre:) Selbsttherapie. Um's Loslassen.

Könnte diese Schule dann eine gute Übungsreihe draus machen.

Wobei: 2 Jahre und 6 Monate ist nicht so viel. Kann ja auch sein, ich glaube, ich habe das mal irgendwo gelesen oder erzählt bekommen, dass man Taiji ganz langsam lernt und in Sprüngen. So dass es am Anfang einen Sprung gibt und dann erst nach zwei Jahren wieder einen. Weiß ich aber nicht.

Sparring? Macht ihr Freikampfsparring mit Anfängern?

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